Sie möchten sich gerne besser abgrenzen und fragen sich, wie das möglich ist? Dabei ist eine gesunde Abgrenzung beruflich wie privat entscheidend, wenn Sie selbstbestimmt durchs Leben gehen wollen.

Souveräne Abgrenzung bedeutet weder Rückzug noch Ausgrenzung, sondern Zentriertheit, Konfliktfähigkeit und eine klare Sprache. Es hat auf Dauer keinen Sinn, es allen nur Recht machen zu wollen, denn damit bleiben Sie auf der Strecke. Stress, Überforderung und die Enttäuschung darüber, dass das Leben an Ihnen vorbei zieht, sind die Folge eines solchen kräftezehrenden Verhaltens. Wer seine Grenzen kennt und wahrnimmt, schützt sich selbst und lebt in Harmonie mit sich selbst und anderen.

Schon in grauer Urzeit waren die Menschen gezwungen, sich den Vorgaben des Stammes anzupassen. Ein Auflehnen gegen die Sippe, die das Überleben sicherte, war unmöglich, denn die Wildnis bedeutete den Tod. Dieses alte Stressmuster ist bis heute in unseren Gehirnen verankert, auch wenn es in der modernen Gesellschaft, diese Art von Bedrohung nicht mehr gibt. Trotzdem ist es die Sucht nach Wertschätzung, Anerkennung und Zugehörigkeit, die verhindert, dass jemand klare Grenzen zieht. Für viele Betroffene kann schon ein einfaches „Nein“ zum Problem werden.

Auch die Bedürftigkeit anderer, vor allem von Familienmitgliedern, bringt uns oft in Verlegenheit. Man will sich doch nicht den Vorwurf machen, dass man seinen Partner, seine Kinder oder Eltern im Stich gelassen hätte. Das familiäre oder soziale Engagement kann weit über die persönlichen Grenzen hinausgehen und zu Erschöpfung und Krankheit führen. Die Grenze des Mitgefühls ist dort gegeben, wo das eigene Wohlergehen beeinträchtigt wird.

Die Angst davor, unsere Mitmenschen zu verärgern und deren Gunst zu verlieren, wenn wir uns abgrenzen, sitzt tief. Die Kollegin könnte sauer auf mich sein, wenn ich ihren Dienst nicht übernehme oder meine Freunde sind beleidigt, wenn ich die Einladung ablehne. Ausflüchte und erfundene Ausreden, die einem selbst unangenehm sind, sind die Folge. Haben Sie einer anderen Person gegenüber ein schlechtes Gewissen, kann es passieren, dass es zu Zugeständnissen weit über Ihre Grenzen hinaus kommt, was von der betreffenden Person bewusst oder unbewusst ausgenützt werden kann. Wer nicht gelernt hat, sich abzugrenzen und plötzlich unerwartet Grenzen setzt, stößt oft auf Unverständnis. Also Vorsicht!

Wie grenzt man sich am besten ab? Die wichtigste Voraussetzung ist in der eigenen Mitte zu sein, im Einklang mit sich selbst. Wer sich abgrenzen will, muss auch bereit sein, den Preis der Ablehnung und Distanz durch andere zu bezahlen! Menschen, die bisher darauf vertraut haben, dass Sie jederzeit verfügbar waren oder zu allem Ja gesagt haben, fühlen sich plötzlich vor den Kopf gestoßen und wenden sich ab. Es ist daher von Bedeutung, dass Sie den anderen vermitteln, dass die Abgrenzung Ihrerseits nicht gegen die andere Person gerichtet ist, sondern primär mit Ihren eigenen Ressourcen zu tun hat.

Neben einem gewissen Maß an Konfliktfähigkeit, sind auch ein gesundes Selbstwertgefühl und Eigenliebe erforderlich. Nur wenn Sie achtsam mit sich selbst umgehen und Ihre Wünsche bzw. Bedürfnisse klar formulieren können, ist eine klare Abgrenzung möglich. Die richtige Abgrenzung ist ein Balanceakt von Rhetorik, Körpersprache, Gestik und Mimik. Wie schwierig es ist ohne schlechtes Gewissen, noch dazu mit den richtigen Worten ein Nein zu begründen, hat jeder von uns schon einmal erlebt.

Abgrenzung gegenüber anderen kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden. Eine räumliche Abgrenzung schafft jedenfalls Distanz. Eine zeitliche Abgrenzung verschafft Luft und eine Nachdenkpause. Eine körperliche Abgrenzung ist dann erforderlich, wenn Ihnen jemand zu nahe kommt und Ihre Grenzen nicht akzeptiert. Aber auch mentale und energetische Abgrenzungstechniken leisten gute Dienste.

Grenzen können nur durch den Zuwachs an Energie erweitert werden. An manchen Tagen fühlen wir uns stärker, an manchen schwächer. Unsicherheit, Unklarheit und mangende Entschlusskraft, schwächen unseren Energiehaushalt. Es ist daher notwendig, ständig an sich zu arbeiten, um Routine, Sicherheit und Wachstum zu erreichen. Positive Erfolge, Anerkennung, Resonanz und Herausforderungen, die wir meistern, erweitern unsere Grenzen!